Sonntag, 22. Juni 2014

Deutsche Fußball-Folklore: Die Auto-Flagge



Bild: Ein Auto mit Deutschen Flaggen.
Foto: Gates / Wikimedia Commons

Seit zehn Tagen läuft die Fußball-WM.
An vielen Autos steckt jetzt eine Flagge.
Oder zwei Flaggen.
Manchmal sogar drei oder vier...

Das ist ein neuer Brauch.
Es gibt ihn seit 2006. 
Damals war die Fußball-WM in Deutschland.
Ich habe neulich schon davon erzählt:
Immer mehr Leute hängten damals deutsche Flaggen auf.
Auch an ihren Autos.

Das war für uns neu.

Vorher dachten viele von uns:
"Wer eine deutsche Flagge aufhängt, 
der ist vielleicht ein Nazi!"
2006 beerdigten wir diesen Gedanken.


Trotzdem haben wir anscheinend etwas falsch gemacht.
Denn am Anfang gab es viel Spott.
Die Leute sagten:
"Im Ausland fährt niemand täglich mit der Flagge herum!
Das tut man nur, wenn die eigene Mannschaft gewonnen hat.
So feiert man den Sieg. 
Wir Deutschen haben das nicht kapiert.
Wie peinlich!"


Aber den Leuten mit den Autoflaggen war das egal.

Inzwischen spottet niemand mehr.
Die Leute fahren fröhlich ihre Flaggen spazieren.
Bei jeder WM wieder.





Bild: WM in Brasilien - Die Autoflaggen sind wieder da.
Foto: Privat


Mittwoch, 18. Juni 2014

Happy End für Linda


Heute möchte ich Linda vorstellen.
Linda ist eine Kartoffel. 


Über Kartoffeln habe ich schon viele böse Worte gehört.
Angeblich essen wir zu oft Kartoffeln.
Das haben mir Leute aus dem Ausland gesagt.
Aus den USA, aus China...
Sie haben früher in Deutschland gelebt.
Sie erzählen:
"In Deutschland gab es jeden Tag Kartoffeln.
Bei der Abreise dachte ich:
Ich möchte nie wieder Kartoffeln sehen!"

Diese Leute können nicht Linda meinen, oder?
Denn Linda schmeckt einfach wunderbar!
Linda ist nicht wie die anderen.


 Bild: Zwei Kartoffeln der Sorte Linda.
Foto: Holger Casselmann / Wikimedia Commons



Es gibt nämlich viele Kartoffel-Sorten.
Die meisten haben alt-modische Frauen-Namen.
Sie heißen Linda, Belana, Nicola, Heidi, Sieglinde ...


Bild: Verschiedene Kartoffel-Sorten.
Foto: Daderot/ Wikimedia Commons

Alle diese Namen stehen auf der Sorten-Liste.
Das ist eine offizielle Liste der Behörden.
Nur die Sorten auf der Liste darf man verkaufen.

Der Platz auf der Sorten-Liste gilt nur für ein paar Jahre.
Dann muss man ihn neu beantragen.
Das ist viel Bürokratie.
Meistens kümmert sich der Züchter darum.
Für ihn lohnt es sich.
Denn er verdient viel Geld mit seiner Sorte.
30 Jahre lang darf nur er das Saatgut verkaufen.

Linda in Gefahr!


Als Linda 30 Jahre alt wurde, 
geschah etwas Schreckliches: 
Linda sollte sterben!
Sie sollte von der Sorten-Liste verschwinden.
Warum?
Ihr Züchter wollte sich nicht mehr darum kümmern.
Es lohnte sich nicht mehr für ihn.
Denn jeder durfte jetzt Linda-Saatgut verkaufen. 
Er selbst verdiente nicht mehr so viel damit.

Der Züchter sagte: 
Ich habe auch andere Sorten.
Zum Beispiel Belana.
Belana schmeckt ähnlich wie Linda. 
Die Leute können auch Belana essen.

Da gab es einen Aufschrei!
Die Leute protestierten:
Wir wollen Belana nicht.
Wir wollen Linda behalten.
Linda ist die beste!

In Geschäften konnte man Slogans lesen:
Rettet die Linda!
Solidarität mit Linda!
Linda ist ein Kultur-Gut!
Auch die Zeitungen berichteten darüber.

Die Linda-Bewegung hatte Erfolg.
Ein anderer Züchter kümmerte sich um ihren Platz auf der Sortenliste.
Mehrere Organisationen halfen mit.
Linda wurde gerettet. 

Im Jahr 2007 wurde sie "Kartoffel des Jahres".



 Happy End


Bild: Linda lacht.
Foto: Holger Casselmann / Wikimedia Commons.






Sonntag, 15. Juni 2014

Die Fußball-WM in Brasilien: Ein neues Sommer-Märchen?


Letzte Woche habe ich vom Public Viewing erzählt:
In vielen Kneipen kann man Fußball gucken.

Aber manche Leute finden Fußball blöd.
Und das wissen auch die Kneipen-Wirte. 
Deshalb gibt es an manchen Kneipen ein Schild:
"Hier garantiert kein Fußball!"

Meistens haben diese Kneipen auch viele Gäste.
Aber einmal war es nicht so.
Das war im Jahr 2006.
Deutschland war Gastgeber der Welt-Meisterschaft.
Da wollten plötzlich alle Leute Fußball sehen!
Auch solche Leute, die sonst keine Fans sind.
Kneipen ohne Fernseher waren einfach leer.

Das war ein schöner Sommer!
Das Wetter war warm.
Die Sonne schien jeden Tag.
Die Fans trafen sich draußen vor den Bildschirmen.
Die deutsche Mannschaft kam weiter, 
als alle erwartet hatten.
Die Stimmung war super.

Ausländische Journalisten schrieben:
"Die Deutschen sind entspannt 
und haben gute Laune.
Das ist neu..!"

Diese Zeit nennen wir heute "Das Sommer-Märchen".





"Deutschland. Ein Sommermärchen"


Das ist der Titel eines Films von Sönke Wortmann.
Der Film kam kurz nach der WM 2006 in die Kinos.
Es ist ein Dokumentar-Film
über die Deutsche Mannschaft in der WM
und über Deutschland im WM - Fieber.

Der Film war ein großer Erfolg.
Er lief im Kino und im Fernsehen.
Viele Millionen Zuschauer sahen ihn.
Er war der erfolgreichste deutsche Dokumentarfilm aller Zeiten.







Bild: Film-Poster "Deutschland-Ein Sommermärchen"
Foto: copyright StudioCanal Deutschland
Hier kann man den Trailer sehen:



Das neue Wort "Sommermärchen" ist auch ein Erfolg.
Es wurde ein "geflügeltes Wort".
Das bedeutet:
Wir benutzen es immer wieder.

Bei jedem internationalen Fußballturnier,
  • wenn das Wetter schön ist,
  • wenn die Stimmung gut ist,
  • wenn viele Fans zum Public Viewing gehen,
  • wenn die deutsche Mannschaft gut spielt,
dann schreiben die Medien:


"Ein Neues Sommermärchen!"



So ist es jetzt auch.
Die WM in Brasilien hat gerade angefangen.
Und schon taucht das Wort "Sommermärchen" auf.



Woher kommt der Ausdruck "Sommer-Märchen"?


Der Ausdruck Sommermärchen ist ziemlich neu.
Aber er hat eine lange Geschichte.
Sie ist fast 200 Jahre alt.
Damals lebte der Dichter Heinrich Heine.



Bild: Heinrich Heine im Jahr 1831. Maler: Moritz Daniel Oppenheim. 
Foto: Wikimedia Commons.


Heinrich Heine wurde politisch verfolgt.
Deshalb lebte er in Frankreich.
 
Im Winter 1843 machte Heine eine Reise nach Deutschland.
Auf der Reise dachte er:
In Deutschland ist vieles schlecht:
Die Beamten sind arrogant.
Das Militär ist reaktionär.
Die Demokratie kommt nicht.

Heine schrieb ein Gedicht über seine Reise.
Darin stehen diese kritischen Gedanken.

Das Gedicht heißt: "Deutschland - Ein Wintermärchen".

Sönke Wortmann hat den Titel von Heines Gedicht benutzt. 
Er hat nur ein Wort verändert:
Aus "Winter" wurde "Sommer".
Damit hat er eine neue Stimmung in Deutschland genau getroffen...



Die neue Stimmung im Sommer 2006 


Viele Deutsche haben kritische Gedanken über Deutschland.
Ähnlich wie früher Heinrich Heine.
Es gibt hier Arroganz, soziale Kälte, Ausländer-Feindlichkeit... 
Darüber spricht man viel.
Viele Deutsche finden: "Man muss immer kritisch sein."
Und National-Stolz? 
Den finden wir peinlich.
Früher dachten wir auch:
"Wer eine deutsche Flagge aufhängt,
der ist reaktionär."

Aber 2006 während der Fußball-WM änderte sich die Stimmung.

Immer mehr Leute dachten:
"Eigentlich ist Deutschland kein schlechtes Land.
Das Leben hier kann Spaß machen.
Zum Beispiel, wenn alle zusammen Fußball gucken."

Auf der Straße konnte man immer mehr deutsche Flaggen sehen.
Man fand das nicht mehr reaktionär.
Man hatte mehr Selbst-Bewusstsein.
Die Leute entspannten sich.
Die Stimmung war freundlich und offen. 

Das war für uns eine große Veränderung.



Morgen ist das erste Vorrunden-Spiel für Deutschland.
Daumen drücken!
Vielleicht kommt jetzt ein neues Sommermärchen!
;-)







Samstag, 7. Juni 2014

König Fußball


In den nächsten vier Wochen kann das passieren:

Sie machen eine Party.
30 Gäste kommen.
Alle essen, trinken und reden.
Es ist laut und fröhlich.
Auf einmal wird es leiser...
...und noch leiser.
Sie sehen sich um:
Die Gäste sind weg!
Nicht alle, 
aber sehr viele.
Sie sind einfach verschwunden.

Plötzlich kommt ein Schrei aus der Nachbar-Wohnung.
"Tor!"
Dann hört man lauten Jubel und Diskussionen.
Aha!
Dort hat jemand den Fernseher eingeschaltet.
Es läuft ein wichtiges Fußball-Spiel.
Das schauen die Gäste an.
Dafür haben sie die Party schnell verlassen.

So was ist in Deutschland normal.

Hier denken viele Leute:
"Wichtige Spiele muss man einfach sehen.
Auch wenn man gerade eingeladen ist."
Der Gastgeber muss den Fernseher einschalten - 
oder die Gäste sagen vor dem Spiel "Auf Wiedersehen".
Sie gehen in eine Kneipe
und gucken das Spiel dort an.


Volks-Sport Fußball



Die meisten Leute hier haben selbst schon einmal Fußball gespielt.
Fast alle Jungen
und viele Mädchen spielen Fußball.
Große Vereine haben Mannschaften für Kinder,
für Jugendliche,
für Erwachsene,
und für "alte Herren".

Mannschaften für "alte Damen" gibt es noch nicht.
Das hat einen einfachen Grund:
Frauen-Fußball gibt es noch nicht so lange wie Männer-Fußball.
Deshalb gibt es noch keine alten Spielerinnen.

Doch die Frauen spielen gut! 
2003 und 2007 waren die deutschen Frauen Fußball - Weltmeister. :-)

Jedenfalls ist Fußball ein echter Volks-Sport.

Man braucht ihn vielleicht nicht zum Leben.
Er ist nur eine "Neben-Sache".
Aber in Deutschland ist er
"Die wichtigste Nebensache der Welt".



Public Viewing


Die Wirte stellen vor ihrer Kneipe große Bildschirme auf.
Vor den Bildschirmen stehen Tische und Bänke.
Man isst, trinkt und schaut dem Spiel zu.



Bild: Europa-Meisterschaft 2012 - Fans in Hannover gucken Fußball 
Foto: Bernd Schwabe in Hannover/ Wikimedia Commons


Man muss aber nicht in eine Kneipe gehen,
wenn man gemeinsam Fußball gucken will.
Es gibt viele Angebote.

Wer organisiert sie?

Zum Beispiel Vereine,
Stadt-Verwaltungen,
Firmen,
Universitäten,
Schulen, 
Kindergärten, 
Kirchen-Gemeinden
....
und Privat-Leute.

Es gibt ganz große Angebote für sehr viele Leute...



Europa-Meisterschaft 2012: Public Viewing im Olympia-Park in München
Foto: Roland Moriz / Wikimedia Commons


....und ganz kleine Angebote nur für die Nachbarn.



Bild: Europa-Meisterschaft 2012: Mini - Public Viewing in einer Straße in München.
Foto: Harald Bischoff/ Wikimedia Commons. 

 
In wenigen Tagen beginnt die Weltmeisterschaft! 
Dann regiert wieder König Fußball.
Die Leute werden von Partys verschwinden
und Fußball gucken.

Ich schreibe dann mehr über die deutsche Liebe zum Fußball. 


Bis bald!




Donnerstag, 29. Mai 2014

Ein Rätsel



Frage:


Was ist das:

Erst weiß wie Schnee,
Dann grün wie Klee,
Dann rot wie Blut,
schmeckt allen Kindern gut...
?




Bild: Weißer Schnee
Foto: Marcela /Wikimedia Commons 






Bild: Grüner Klee
Foto: Graymalkn, Wikimedia Commons


Bild: Rotes Blut
Foto: Crystal from Bloomington/ Wikimedia Commons








Antwort: 

Die Kirsche 

Foto: Pierre-alain Dorange / Wikimedia Commons




Warum?


Zuerst blüht der Kirsch-Baum.
Kirsch-Blüten sind weiß.



Foto: 4028mdk09/ Wikimedia Commons





Die kleinen, unreifen Kirschen sind grün....







später werden sie gelb....




Bild: Unreife Kirschen
Foto: 4028mdk09 / Wikimedia Commons

... und reife Kirschen sind blut-rot.











Bild: Kirsch-Torte
Foto Oxfordian Kissuth /Wikimedia Commons




Jetzt beginnt die Kirschen-Zeit.
Darauf freue ich mich!
:-)


Sonntag, 25. Mai 2014

Mitbring-Party

Manchmal laden wir viele Freunde ein.
Aber wir haben keine Zeit zum Kochen.

Manchmal haben wir keine Lust zum Kochen, 
aber wir wollen trotzdem unsere Freunde einladen.

Dann sagen wir den Gästen: 
"Bitte bringt etwas zum Essen mit!"


Ich hatte einmal eine Freundin aus Taiwan.
Sie sagte:
"Das ist komisch.
Eure Gäste müssen das Essen selbst mitbringen.
Das ist doch keine Einladung!"

Irgendwie hat sie recht...

Aber trotzdem macht so eine Party viel Spaß!
Jeder kocht etwas ganz Besonderes.
Alle geben sich große Mühe.
Das Essen schmeckt immer sehr gut. 

Wenn man etwas besonders gerne mag,
dann kann man sagen:
"Wer hat denn das hier gemacht?
Das ist ja köstlich!
Kannst Du mir das Rezept geben?"

So lernt man neue Leute kennen. 


Wer macht was?


Vor der Party wollen die Gastgeber wissen:
Wird es viele verschiedene Speisen geben?
Oder bringen fünf Leute Tomaten mit Mozzarella mit? 




Bild: Fünf mal Tomaten mit Mozzarella ....
mitgebracht von Nevit Dilmen, Kawu, Pantone, Arnaud 25 und David Reber, bei Wikimedia Commons




Deshalb machen die Gastgeber eine Liste.
Sie fragen die Gäste:
"Was bringst Du mit?"
Manchmal weiß man es noch nicht genau.
Dann fragen sie:
"Bringst Du etwas Süßes? 
Oder etwas Salziges?"



Die Gastgeber besorgen Brot und Getränke.
Für eine Grillparty bereiten sie das Fleisch vor.
Oft kochen sie auch eine Suppe.
Und später am Abend machen sie Kaffee.


Die Gäste bringen meistens kaltes Essen mit:
zum Beispiel Salat

....oder Antipasti,











 
(Das sind Antipasti! Keine Tomaten mit Mozzarella.) 
Foto: ADHOC/Wikimedia Commons







....oder Schinkenröllchen






Foto: Jocian / Wikimedia Commons


....oder Obstsalat
Foto: 4028mdk09 / Wikimedia Commons








....oder Mousse au Chocolat

Foto: romainbehar /Wikimedia Commons









....oder Kuchen
Foto: Stefan Munder/ Wikimedia Commons

...oder eine Spezialität aus Ihrem Land!
Die Deutschen mögen ausländisches Essen.




Haben Sie auch keine Zeit?


Sind Sie zu einer Mitbring-Party eingeladen?
Aber Sie haben keine Zeit zum Kochen?
Kein Problem:
Man kann auch etwas kaufen und mitbringen:


Zum Beispiel: 
ein paar geräucherte Fische...

Foto: Michael Clark Stuff/ Wikimedia Commons

...oder einen Teller mit frischem Obst
Foto: Abubiju / Wikimedia commons


Man kann auch die Gastgeber anrufen und sagen:
"Ich habe keine Zeit zum Kochen.
Soll ich das Brot mitbringen?"

Vielleicht sagen die Gastgeber dann:
"Oh. Das Brot bringt Dennis schon mit.
Aber komm doch einfach so!
Du musst nichts mitbringen.
Die Anderen bringen sowieso unheimlich viel!"


Was bringt man noch mit?


Bei anderen Einladungen bringt man ein Geschenk mit.
Zum Beispiel Blumen oder Wein.
Aber zu einer Mitbring-Party bringt man kein Geschenk.
Nur das Essen. 

Es gibt eine Ausnahme:
Wenn der Gastgeber Geburtstag hat,
Dann bringt man das Essen, 
und ein kleines Geschenk.







Sonntag, 18. Mai 2014

Erinnerungen an den Krieg

Vor einigen Tagen war der 8. Mai.
Das ist ein Gedenk-Tag.
Am 8. Mai 1945 war in Deutschland der Krieg zu Ende.

Deshalb habe ich nachgedacht:
Was bedeutet der Krieg heute für uns?
Er ist eigentlich lange her.
Damals waren meine Eltern noch jung.
Aber wir erinnern uns noch oft daran.
Nicht nur am 8. Mai.
Der Krieg ist noch sehr präsent.

"Präsent" bedeutet: 
Man hört viel davon.
Man spricht darüber.
Der Krieg ist ein Thema in der Öffentlichkeit.

Fernsehen und Radio berichten, 
wie Deutschland den Krieg angefangen hat.
Auch in der Schule spricht man darüber.
Ausstellungen zeigen Fotos aus dem Krieg.

Auch in der Familie ist der Krieg ein Thema.
Die alten Leute erzählen von Flieger-Angriffen.
Sie mussten schnell zum Bunker laufen.
Im Bunker mussten sie warten.
Sie hörten die Flugzeuge.
Bild: Häuser brennen nach einem Bomben-Angriff.Berlin, 1944.
Fotos: Bundesarchiv, Wikimedia Commons
Sie hörten die Bomben.
Sie hatten Angst:
Vielleicht trifft eine Bombe unseren Bunker?
Nach dem Angriff gingen sie hinaus.
Draußen brannten Häuser.


 
Bild: Bomben aus dem 2. Weltkrieg 
Foto: Flightsoffancy, Wikimedia Commons.











Viele Bomben sind damals nicht explodiert.
Das sind „Blind-gänger“.
Niemand weiß, wie viele es sind.
Die Experten sagen:
Eine von zehn Bomben war ein Blindgänger.
Oder eine von fünf Bomben.

Viele Blindgänger sind noch „scharf“
Das heißt: Sie können noch explodieren.
Fast täglich findet jemand einen scharfen Blindgänger.
Man findet sie, wenn man Straßen baut.
Oder wenn man im Garten arbeitet.

Dann müssen alle Leute weg gehen.
Der Kampf-Mittel-Räum-Dienst kommt.
Das sind Leute, die Bomben „ent-schärfen“.

Bild: Der Kampfmittel - Räumdienst entschärft eine Bombe. 2011.
Foto: Holger Weinandt/ Wikimedia Commons














Das Entschärfen dauert manchmal viele Stunden.
Meistens geht es gut.
Manchmal nicht.
Dann zerstört die Bombe Häuser.

Vielleicht denken Sie jetzt:
Das geschieht Euch recht! 
Deutschland hat ja den Krieg angefangen.
Die anderen Länder mussten Deutschland stoppen.
Dabei sind viele Menschen gestorben.

Viele Deutsche denken auch so:
"Es geschieht uns recht.
Es ist gut, dass Deutschland den Krieg verloren hat."
Sie schämen sich, wenn sie an den Krieg denken.

Nach dem Krieg haben Deutsche Politiker gesagt:
Deutschland darf nie wieder Krieg anfangen.
Damals hieß der Satz so:
„Von Deutschem Boden darf nie wieder Krieg ausgehen.“

Dieser Satz ist bis heute wichtig.
Unser Militär soll in Deutschland bleiben.
Wenn es ins Ausland gehen muss,
soll es keine Waffen benutzen.

Wenn die UNO Militär in ein Land schickt, 
dann hilft Deutschland mit.
Aber es kämpft nicht.
Das kommt von unseren Erinnerungen an den Krieg.