Mittwoch, 6. März 2019

Alters·armut

Das ist mir vor einigen Monaten passiert:

Ich war in einem Supermarkt.
Da hat mich eine Frau angesprochen.
Sie war alt
und konnte nicht mehr gut gehen.
In ihrem Einkaufswagen war nicht viel.

Ein Einkaufswagen (der Einkaufswagen, -).
Foto: Wanzl Metallwarenfabrik / Wikimedia Commons.

Die Frau stand an einem Regal.
Sie hatte eine Dose in der Hand.
Sie sagte:
"Entschuldigen Sie bitte die Störung.
Ich möchte das hier kaufen.
Aber ich habe nicht genug Geld bei mir.
Können Sie mir vielleicht mit zwei Euro aushelfen?"


Ein Regal mit Dosen (die Dose, -n) in einem Supermarkt.
Foto: Marcela (talk) / Wikimedia commons.


Ich habe gesagt: 
"Klar. Gerne."
Ich habe meinen Geldbeutel herausgeholt
und habe ihr zwei Euro gegeben.
Sie hat sich bedankt.
Und dann hat sie gesagt:
"Darf ich Ihnen ein Herz geben?"


Ein Herz (das Hrz, -en)
Grafik: sarang / wikimedia commons.


Ich habe nicht verstanden, was sie meint.
Aber ich habe gesagt:
"Ja, gerne."
Da hat sie einen Briefumschlag herausgenommen.
Sie hat ein Herz aus rotem Papier aus dem Umschlag genommen
und hat es mir gegeben.

In dem Umschlag waren noch viele Herzen.


Ein Briefumschlag (der Briefumschlag, ̈-e, der mschlag, ̈-e )
Foto: Frank C. Müller, Baden-Baden / Wikimedia Commons.


Da habe ich erst kapiert,
dass die Frau arm war.

Ich habe eine Sekunde lang gedacht:
Soll ich fragen:
"Möchten Sie noch etwas kaufen?
Ich kann ihnen mehr Geld geben."

Aber dann habe ich gedacht:
Die Frau hat sich so große Mühe gegeben,
ihre Würde zu bewahren.
Sie hat mich höflich gefragt.
Sie hat gesagt: "aushelfen".
Das sagt man, wenn man das Geld später zurückgeben will.
Und sie hat mir für das Geld ein Herz gegeben.
Sie möchte nicht betteln.

Deshalb habe ich nichts gesagt.
Ich habe mich für das Herz bedankt.
Ich musste lächeln, weil es so hübsch war.
Dann bin ich gegangen.


Was ist das Problem?


Wenn man arbeitet, bekommt man Geld.
Von dem Geld muss man jeden Monat etwas bezahlen.
Dafür bekommt man später eine Rente.

Manche Leute verdienen nur sehr wenig.
Manche arbeiten nur halbtags
und bekommen deshalb wenig Geld.
Das ist oft bei Frauen so,
die sich um Kinder kümmern.

Alle diese Leute können nur wenig für die Rente bezahlen.
Deshalb ist ihre Rente später sehr klein.
Sie haben immer gearbeitet,
aber die Rente reicht nicht zum Leben.

Wenn das Geld nicht zum Leben reicht,
bekommt man "Hartz vier".
Das ist Geld vom Staat.
Es reicht zum Leben.
Aber viel ist es nicht.
Hrtz vier

Jetzt in den Nachrichten ...


Manche Leute haben nie gearbeitet.
Sie bekommen auch "Hartz vier".
Alle bekommen gleich wenig.
Obwohl die einen für ihre Rente gezahlt haben,
und die anderen nicht.

Das ist nicht gerecht.

Im Moment sprechen wir viel darüber:
Wie kann man dieses Problem lösen?


Wortliste
Altersrmut = (Substantiv für): Alt sein und kein Geld haben.
(jemanden akk.) nsprechen, sprach n, ngesprochen = zu einer Person gehen, die man nicht kennt, und mit ihr sprechen.
bei sich haben = mitgebracht haben
aushelfen = kurze Zeit etwas für jemand tun / kurze Zeit für jemand arbeiten (z.B. in einem Laden aushelfen).
jemandem (dat.) mit etwas aushelfen = jemandem eine Sache für kurze Zeit geben. Z.B. "jemandem mit Geld aushelfen": jemandem ein bisschen Geld leihen.
herausholen = (hier:) aus der Tasche nehmen.
kapieren = (Umgangssprache: ) verstehen.
rm = so, dass man kein Geld hat.
die Seknde, -n = eine Minute hat 60 Sekunden.

die Würde (nur Singular) = der Wert, den ein Mensch immer hat.
bewahren = behalten/ nicht aufgeben.
btteln = Leute auf der Straße um Geld bitten.
die Rnte, -n = Geld. Alte Leute bekommen es, wenn sie früher gearbeitet haben. 
hlbtags = Vier Stunden am Tag.
sich um Kinder kümmern = (hier:) mit den Kindern zuhause sein.
der Staat, -en = das Land / (hier:) Deutschland
reichen = genug sein. 
gercht = so, dass es fair ist / so, dass man bekommt, was man bekommen sollte.

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